Zusammenfassung

Der Erwerb von Lesefertigkeiten (rezeptive Mehrsprachigkeit) in genetisch eng verwandten Sprachen ist als zentrales Prinzip allen Interkomprehensionsansätzen gemein. In Anbetracht derzeitiger Ziele der europäischen Mehrsprachigkeitspolitik wächst das Interesse an didaktischen Ansätzen, die eine schnelle Entwicklung von Sprachenkompetenzen versprechen und das Profil von kleinen und/oder Minderheitensprachen aufbessern. Obwohl solche Methoden deutlich dem europäischen Kontext entstammen, stellt sich die Frage, ob sie nicht auch in einem anderen, z. B. dem nordamerikanischen Kontext praktikabel wären. Dieser Beitrag skizziert zunächst den Entwicklungsstand der EuroCom-Methode für verschiedene Zweige der indogermanischen Sprachen sowie bisherige Probleme und Chancen der Methode. Diese Ergebnisse werden dann im Kontext der sprachen- und bildungspolitischen Situation Kanadas betrachtet. Es wird festgehalten, dass es trotz des schlechten Standes von Fremdsprachen in den kanadischen Bildungssystemen durchaus eine Nische für EuroCom oder andere Interkomprehensionsansätze geben könnte.