Zusammenfassung

Aus den Annahmen einer Wissenschaftslinguistik, die Wissenschaft als ‚kommunikative Veranstaltung‘ (Weinrich) und wissenschaftliches Wissen als ein sprachgebundenes betrachtet, lässt sich folgern, dass die konzeptuellen und kommunikativen Ressourcen einzelner Wissenschaftssprachkulturen erst in einer mehrsprachig angelegten Wissenschaftskommunikation produktiv werden können. Eine wesentliche Voraussetzung dafür bildet die Schaffung von mehrdimensionalen Konstellationen der Vermittlung, die es den am kommunikativen Austausch Beteiligten ermöglichen, den ‚kommunikativen Raum‘ (Krefeld) mit ihren (wissenschaftssprach-)kulturspezifischen Ressourcen auszugestalten. Diese Ausgestaltung erfolgt über die dynamische Verteilung von Wissen – auch in Bezug zu den jeweiligen Rollen im Vermittlungsprozess – in der Aktualisierung der Dimensionen der Räumlichkeit (Ort des Sprechens, Verortung der Sprecher, Geographie der Sprache) und Zeitlichkeit des Sprechens (Prozesshaftigkeit des Sprechens, Historizität der Sprache). Aus Analysen von Gesprächen chinesisch-deutscher Wissenschaftskommunikation rekonstruiert der folgende Beitrag den schrittweisen Ausbau einer auf Mehrsprachigkeit und Interkulturalität ausgerichteten Vermittlungspraxis und verdeutlicht die darin geleistete Arbeit. Gezeigt wird, wie die Auseinandersetzung mit fremden Wissenschaftspraktiken und -vorstellungen ein Stück weit Wissenschaftsreflexion im Sinne erfahrbarer mehrsprachlicher Potentiale ermöglicht.

Zusammenfassung

Im vorliegenden Beitrag werden einige zentrale Züge der jüngeren Innovationsforschung dargestellt und ihre Anschlussmöglichkeiten für die interkulturelle Germanistik ausgelotet. Besondere Aufmerksamkeit finden dabei die Dimensionen interdisziplinäre Kooperationen an den Schnittstellen zu den Wirtschaftswissenschaften, der Technologie, den Politik-, Sozial- und Gesellschaftswissenschaften. Dieses Vorgehen steht vor dem Hintergrund, dass eine sozial- und insbesondere kulturwissenschaftlich akzentuierte Innovationsforschung als aktuelles Desiderat zu betrachten ist. Die interkulturelle Germanistik gehört insofern zu den hier relevanten Disziplinen, als aufgrund der zunehmenden gesellschaftlichen Komplexität auf nationalen und internationalen Ebenen innovative Perspektiven vielfach mit interkulturellen gesellschaftlichen Dimensionen verbunden sind.

Zusammenfassung

Die japanische Rezeption bezüglich der Inhalte und Formen europäischer Zivilisation beschränkte sich bis Mitte des 19. Jahrhunderts für lange Zeit unter Bewahrung der eigenen Mentalität und Wertvorstellungen gezielt auf den technischen Bereich. Gleich nach der unter dem Druck der westlichen Großmächte erzwungenen Öffnung und gleichzeitig einsetzenden Verwestlichung Japans kam man aber zu der Einsicht, dass nicht nur die Aneignung der westlichen Technik, sondern auch eine radikale Umorientierung der japanischen Mentalität zur westlichen Moderne hin nötig sei, um das Land wirklich zu zivilisieren und ihm dadurch seine politische Unabhängigkeit von den westlichen Großmächten zu bewahren. Deshalb wurde die traditionelle Bildung aus der Hand der altchinesischen und altjapanischen Klassiker durch das Studium der westlichen Wissenschaften und Literaturen ersetzt. Dabei entstehen durch die von außen angeregte umfassende Verwestlichung jene kulturellen Widersprüche zwischen der traditionell-japanischen Mentalität und den Wertvorstellungen bzw. Welt- und Lebensanschauungen einerseits und den westlichen andererseits, die bis heute die japanische Intelligenz beschäftigen. Auf der Grundlage einer historischen Darstellung der japanischen Konfrontation mit der westlichen Kultur und Wissenschaft wird schließlich auf die kulturelle Relativität der Wissenschaften und deren dringende Aufgabe im Zeitalter der Globalisierung und Multikulturalität hingewiesen.

Zusammenfassung

Der Beitrag geht auf die Wende von der „extensiven Entwicklung“ zur „intensiven Entwicklung“ als einen Paradigmenwechsel in der chinesischen Germanistik ein, bei dem die Förderung von Kreativität als Reaktion auf traditionelle und gegenwärtige Zustände von besonderer Bedeutung ist. Was bei Nietzsche mit „Kamel“, „Löwe“ und „Kind“ metaphorisch dargestellt wird, lässt sich an den Entwicklungsstadien der chinesischen Germanistik erkennen. Es gilt jedoch, ein positives Verhältnis von Rekonstruktion, Dekonstruktion und Konstruktion zu ermöglichen. Diskutiert wird auch, ob und wie die drei Ansprüche – Berufsbezug, Fachsystematik und Individualität –, über die man in China nach wie vor kontrovers diskutiert, in der gegenwärtigen Dynamik der Umstrukturierung innovativ miteinander in Einklang gebracht werden können.

Zusammenfassung

Vielfältige soziale Veränderungen im Zuge des demographischen Wandels veranlassen die postindustriellen Gesellschaften bisherige Wissensformationen zu überdenken und sie an die neuen Bedingungen anzupassen. Besonders auffällig ist dieser Prozess in der gegenwärtigen japanischen Gesellschaft, in der die Alterung der Gesellschaft besonders schnell verläuft. Die Zunahme der pflegebedürftigen alten Menschen führte dazu, dass ein neues Konzept der Pflege aufkam. Hierbei spielten die westlichen Diskurse zur gesellschaftlichen Alterung eine zentrale Rolle, indem Theorien, Begriffe und Konzepte daraus in die japanische Sprache übersetzt wurden. Vor allem die in Deutschland entwickelte gesetzliche Pflegeversicherung besitzt den Modellcharakter für Japan. Der vorliegende Beitrag skizziert das Aufkommen der Wissensformation um das Phänomen „Pflege“ in der heutigen japanischen Gesellschaft.