Zusammenfassung

Erfolgreiche Wissenschaften müssen sich einerseits als Wissenschaft von der Gesellschaft abgrenzen, um ihre Autonomie zu wahren, andererseits müssen sie aber ebenso fähig sein, diese disziplinären Grenzen wieder erfolgreich zu überwinden, um ihre Wissensdiskurse auch für außerdisziplinäre Adressaten relevant zu machen. Das Konzept der Wissenschaftskultur hilft zu verstehen, wie die disziplineigene Lösung dieser doppelten Aufgabe der Konstruktion und Dekonstruktion disziplinärer Grenzen nicht nur die öffentliche Wahrnehmung einer Wissenschaft prägt, sondern ebenso ihr eigenes Selbstverständnis als Wissenschaft. Gerade am Beispiel der Etablierung der Germanistik im 19. Jahrhundert an den Universitäten lässt sich zeigen, wie die Notwendigkeit, gesellschaftliche Interessensgruppen als Förderer und nicht-wissenschaftliche Adressaten der Disziplin zu gewinnen, Auswirkungen sowohl auf Fragestellungen wie auch Methoden der neuen Literaturwissenschaft hatte