Zusammenfassung

Die japanische Rezeption bezüglich der Inhalte und Formen europäischer Zivilisation beschränkte sich bis Mitte des 19. Jahrhunderts für lange Zeit unter Bewahrung der eigenen Mentalität und Wertvorstellungen gezielt auf den technischen Bereich. Gleich nach der unter dem Druck der westlichen Großmächte erzwungenen Öffnung und gleichzeitig einsetzenden Verwestlichung Japans kam man aber zu der Einsicht, dass nicht nur die Aneignung der westlichen Technik, sondern auch eine radikale Umorientierung der japanischen Mentalität zur westlichen Moderne hin nötig sei, um das Land wirklich zu zivilisieren und ihm dadurch seine politische Unabhängigkeit von den westlichen Großmächten zu bewahren. Deshalb wurde die traditionelle Bildung aus der Hand der altchinesischen und altjapanischen Klassiker durch das Studium der westlichen Wissenschaften und Literaturen ersetzt. Dabei entstehen durch die von außen angeregte umfassende Verwestlichung jene kulturellen Widersprüche zwischen der traditionell-japanischen Mentalität und den Wertvorstellungen bzw. Welt- und Lebensanschauungen einerseits und den westlichen andererseits, die bis heute die japanische Intelligenz beschäftigen. Auf der Grundlage einer historischen Darstellung der japanischen Konfrontation mit der westlichen Kultur und Wissenschaft wird schließlich auf die kulturelle Relativität der Wissenschaften und deren dringende Aufgabe im Zeitalter der Globalisierung und Multikulturalität hingewiesen.