Zusammenfassung

Aus den Annahmen einer Wissenschaftslinguistik, die Wissenschaft als ‚kommunikative Veranstaltung‘ (Weinrich) und wissenschaftliches Wissen als ein sprachgebundenes betrachtet, lässt sich folgern, dass die konzeptuellen und kommunikativen Ressourcen einzelner Wissenschaftssprachkulturen erst in einer mehrsprachig angelegten Wissenschaftskommunikation produktiv werden können. Eine wesentliche Voraussetzung dafür bildet die Schaffung von mehrdimensionalen Konstellationen der Vermittlung, die es den am kommunikativen Austausch Beteiligten ermöglichen, den ‚kommunikativen Raum‘ (Krefeld) mit ihren (wissenschaftssprach-)kulturspezifischen Ressourcen auszugestalten. Diese Ausgestaltung erfolgt über die dynamische Verteilung von Wissen – auch in Bezug zu den jeweiligen Rollen im Vermittlungsprozess – in der Aktualisierung der Dimensionen der Räumlichkeit (Ort des Sprechens, Verortung der Sprecher, Geographie der Sprache) und Zeitlichkeit des Sprechens (Prozesshaftigkeit des Sprechens, Historizität der Sprache). Aus Analysen von Gesprächen chinesisch-deutscher Wissenschaftskommunikation rekonstruiert der folgende Beitrag den schrittweisen Ausbau einer auf Mehrsprachigkeit und Interkulturalität ausgerichteten Vermittlungspraxis und verdeutlicht die darin geleistete Arbeit. Gezeigt wird, wie die Auseinandersetzung mit fremden Wissenschaftspraktiken und -vorstellungen ein Stück weit Wissenschaftsreflexion im Sinne erfahrbarer mehrsprachlicher Potentiale ermöglicht.